Viele Groß-Unternehmen sind mit der Zeit selbst Vertreiber von Co-Branding-Kreditkarten geworden. Co-Branding, dass heißt nichts anderes, als die gezielte Vermarktung eines Produktes unter dem Namen eines Partners. Im Falle der Kreditkarten liefern dabei meist Visa oder MasterCard das Produkt und lassen es von dem jeweiligen Partner mit Zusatzangeboten versehen und in dessen spezieller Zielgruppe vermarkten. Der Kunde sieht nach außen zuerst die prestigeträchtige Marke und die Bonus-Vorteile, die sich der Verbraucher mit einer solchen Co-Branding-Kreditkarte angeblich verschafft.
Wenn Vodafone, ebay und Co. allerdings mit ihrer „eigenen“ Kreditkarte satte Vorteile, Rabatte und Prämien beim shoppen versprechen, dann sollte man zunächst das Kleingedruckte lesen, warnt nun die Verbraucherzentrale NRW. Nach einer stichprobenartigen Untersuchung bei elf Anbietern gelangten die Experten zu dem Ergebnis, dass viele dieser vermeintlichen Angebote eher Schein als Sein sind.
Vorteile selten gut genug
Die wirklichen Vorteile stuft die Verbraucherzentrale als sehr viel geringer ein, als die Werbeversprechen es den Kunden vorgaukeln. Als Beispiel nennt die Zentrale das Versandhaus Amazon. Diese verspricht eine einmalige Gutschrift von 20 Euro, kostet aber ab dem zweiten Jahr auch 19,99 Euro Gebühr. Der Rabatt beträgt im Endeffekt maximal 2% Rabatt, wenn mindestens waren im Wert von 500 Euro bei Amazon bestellt und mit der Karte bezahlt wurden, also eine Ersparnis von 10 Euro.
Wer mit der Kreditkarte von Mercedes bezahlt, erhält einen Kalender zu „Vorzugskonditionen“ und freien Eintritt in das hauseigene Museum. Die Jahresgebühr wird Ihnen nur dann erlassen, wenn Sie an einer jährlichen Umfrage teilnehmen. Dem ist nicht so beim Auktionshaus ebay: Hier müssen Sie ab dem zweiten Jahr den stolzen Preis von 24,90 Jahresgebühr berappen. Das ist aber immer noch nicht die teuerste Karte im Test der Verbraucherzentrale: Kunden von TUI und Vodafone zahlen bis zu 70 Euro, Lufthansa-Vielflieger sogar 85 Euro für eine goldene Kreditkarte.
Teuer zu Buche schlagen auch Bargeldabhebungen mit einer typischen Co-Branding-Kreditkarte, meist werden Gebühren in Höhe von 5 Euro fällig. Auch die Zinsen bei einer Ratenzahlung sind laut Verbraucherzentrale mit im Schnitt 13% sehr hoch. Der Männer-Sender DMAX verlangt sogar 17,8% wenn man in die Miese rutscht, als Vorteil wirbt der Betreiber grade mal mit der Verlosung von Kappen und Autogrammkarten und einem 5% Nachlass bei einem Online-Reiseveranstalter.
Fairer Weise muss hier gesagt werden, dass immerhin sieben der elf Anbieter ihren Kunden sogar einen kleinen Zinssatz auf das Guthaben gewähren, dass im Vorhinein auf die Karte geladen wird. Bei Lufthansa liegt dieser mit 1,75% sogar im respektablen Bereich der Tagesgeld-Zinsen.
Fazit: Abwägen und durchrechnen lohnen sich
Wenn Sie auf der Suche nach der richtigen Kreditkarte für sich sind, kommen Sie an einem detaillierten Vergleich nicht vorbei. Machen Sie sich vorher klar, welchem Zweck die Kreditkarte vor allem dienen soll: Auslandsreisen, Online-Shopping oder Bargeldbezug? Achten Sie bei jedem Angebot zunächst auf die Kosten und Zinsen, und dann auf die Vorteile. Wägen Sie anfallenden Gebühren und die Kostenersparnis durch Rabatte gegeneinander ab. Durchleuchten Sie auch Ihr Nutzungsverhalten: Wie oft würde die Reiseversicherung in Anspruch genommen, tanke ich wirklich oft bei dieser Tankstelle, oder kaufe ich meine Kleidung meist bei diesem Versandhaus? Im Idealfall ergeben sich für Sie echte Vorteile durch eine Unternehmens-eigene Kreditkarte. Im Zweifel finden Sie allerdings auch wesentliche lohnendere Angebote.
