Im Oktober und November 2009 wurden in Deutschland über 300.000 Kreditkarten wegen Verdachts auf Datenklau ausgetauscht, nachdem sowohl Master Card als auch Visa Warnmeldungen an Banken herausgegeben hatten. Grund: Bei einem spanischen Unternehmen, das für die Abwicklung der Zahlungsvorgänge mit Kreditkarten zuständig ist, war es zu Unregelmäßigkeiten im Datenschutz gekommen und man fürchtete nun, dass sich sämtliche Informationen der Kreditkarten deutscher Urlauber in den Händen von Kriminellen befänden.
Und wer auf seiner Karte einen Kreditrahmen von 10.000 bis 20.000 Euro hat, für den kann der Schaden hoch ausfallen, sollten sich die „Datendiebe“ auf eine Shopping-Tour ins Internet begeben. Wer deshalb im Urlaub auf Nummer sicher gehen will, profitiert von einer Kreditkarte auf Guthabenbasis, einer sogenannten Prepaid Kreditkarte, und somit vom fehlenden Kreditrahmen – denn wird die Karte gestohlen, bleibt der Schaden auf die Summe begrenzt, die sich auf dem Kartenkonto befindet.
Auf einer Prepaid Visa oder Master Card befindet sich in der Regel nur der Betrag, den man im Urlaub ausgeben möchte und der geht normalerweise nicht in die Tausende. Alle Prepaid-Karten bieten die Möglichkeit, die Umsätze jederzeit online abzurufen, so dass man nie den Überblick über seine Ausgabe verliert. Ein weiterer Vorteil ist, dass jeder eine Prepaid Kreditkarte beantragen kann und diese auch bekommt, da keine Bonitäts- oder Schufaprüfung stattfindet.
Wie bei einem Handy mit Prepaid-Karte bestimmt man seinen Verfügungsrahmen selbst durch eine entsprechende Aufladung der Karte – das heißt, man überweist einen Betrag vom Girokonto auf das Kartenkonto, was normalerweise ein bis maximal drei Tage dauert. Bis zur Höhe des einbezahlten Guthabens kann dann weltweit bargeldlos bezahlt oder bei Geldautomaten, die das Visa oder Master Card Logo tragen, Bargeld abgehoben werden.
Da sich auf der Rückseite der Karte, genau wie bei der klassischen Kreditkarte, die dreistellige Prüfziffer befindet, die man beim Buchen von Flügen oder Hotelreservierungen im Internet benötigt, unterscheidet sich die Karte nicht von einer herkömmlichen Kreditkarte. Die einzigen beiden Unterschiede sind der fehlende Kreditrahmen sowie die Hochprägung der Nummer und des Namens auf der Karte.
Da die sogenannten „Ritsch-Ratsch-Geräte“, mit denen mechanisch ein Durchschlag der in die Karte gestanzten Nummer abgezogen und auf einen Papiervordruck übertragen wurde jedoch vom Aussterben bedroht sind, ist die Hochprägung auf einer Kreditkarte heutzutage völlig überflüssig und wird es bald wohl auch nicht mehr geben, da mittlerweile sämtliche Bezahlvorgänge mit Karte elektronisch abgewickelt werden. Aber „prestige oblige“ und viele Kreditkarteninhaber sind der Meinung, dass sie mit einer nicht hochgeprägten Karte als weniger kreditwürdig eingestuft werden.
Wie bei klassischen Kreditkarten gibt es auch bei den Prepaid Visa und Master Cards große Unterschiede was Jahresgebühr und Leistungen betrifft. So gibt es Karten ohne, mit geringer oder sehr hoher Jahresgebühr, Karten, bei denen man für jede Transaktion und jeden Service hohe Gebühren zahlt sowie Karten, die zusätzlich eine Girokontofunktion haben oder das Kartenguthaben ab dem ersten Euro verzinsen, wie beispielsweise die Visa Card der Baden-Württembergischen Bank (BW-Bank), die 35 Euro Jahresgebühr kostet, das Guthaben mit 1% verzinst, kein Auslandsentgelt für Euro-Umsätze, für Umsätze im Nicht-EU Ausland 1%, keine Ladegebühr und keine Guthabenbegrenzung beim Aufladen der Karte festsetzt. Die getätigten Umsätze sowie der Kontostand sind jederzeit online abrufbar.
Deutlich teurer ist dagegen die Prepaid Master Card der MEDIUS AG in München, für die man nicht nur 39 Euro Jahresgebühr, sondern auch 39 Euro Ausstellungsgebühr bezahlt. Zudem werden bei Einkäufen im Nicht-EU Ausland 2,75% Fremdwährungseinsatz berechnet sowie Ladegebühren bis zu 5,5%, wenn die Karte nicht durch Banküberweisung oder Bareinzahlung aufgeladen wird. Die Karte wird nicht von einer Bank ausgestellt – sie ist im eigentlichen Sinne keine Prepaid Kreditkarte wie jene, die von deutschen Banken ausgestellt werden, auch wenn sie die gleichen Leistungen bietet, sondern vielmehr eine elektronische Geldbörse, in der sich das verfügbare Guthaben befindet.
Die MEDIUS Master Card macht damit Werbung, dass sie die einzige aufladbare Kreditkarte mit Hochprägung ist, zudem hat sie ein edles schwarzes Design – und wer möchte nicht in den Genuss einer „schwarzen“ Kreditkarte kommen, auch wenn es keine Centurion von Amex ist. Doch was nützt Hochprägung und edles Design, wenn das Kartenguthaben nicht durch Einlagensicherung, wie bei deutschen Banken gewährleistet, gegeben ist?
Die MEDIUS-Kartenkonten werden in Gibraltar geführt und unterliegen dem Bankgeheimnis von Gibraltar. Unter dem Punkt „Haftung“ steht in den AGBs der MEDIUS AG folgendes: „In dem unwahrscheinlichen Falle unserer Insolvenz können Ihre Karte(n) und Ihr Konto ihren Wert verlieren und unbrauchbar werden, und dem entsprechend können Sie das auf Ihr Konto geladene E-Money verlieren“. Und unter dem Punkt „Regelung“ heißt es weiter: „Das Einlagensicherungssystem Gibraltars deckt kein von uns ausgestelltes E-Money und keine in Bezug auf durch uns ausgestelltes E-Money erhobenen Forderungen ab. Es gibt kein System zur Entschädigung von E-Moneyinhabern in Fällen in denen wir nicht in der Lage sind, gegen uns erhobene Forderungen in Bezug auf E-Money zu befriedigen“. Pech für diejenigen, die im „Falle der Fälle“ gerade 10.000 Euro auf der Karte „geparkt“ haben.
Bei „Wüstenrot direct“ ist die Prepaid Visa Card kostenlos – Karteninhaber zahlen keine Jahresgebühr oder andere Kosten, und die ersten 12 Bargeldabhebungen weltweit sind kostenlos, alle weiteren belaufen sich auf 99 Cents pro Abhebung am Geldautomaten. Der Nachteil dieser sehr vorteilhaften Karte ist jedoch, dass man ein Girokonto bei Wüstenrot haben muss, um in den Genuss der kostenlosen Karte zu kommen.
Eine Kreditkarte mit Girokontofunktion bietet die in Stuttgart ansässige Schwäbische Bank mit der Suprema Master Card, in ebenso edlem schwarzen Design wie die MEDIUS Master Card, im Gegenteil zu dieser ist jedoch das Kartenguthaben durch die Einlagensicherung geschützt. Die Jahresgebühr beläuft sich zwar auf 79 Euro, dafür wird jedoch keine Ladegebühr enthoben, weltweit sind alle Transaktionen kostenlos und zudem kann die Suprema Master Card auch als Girokonto benutzt werden. Die Kontofunktion beinhaltet eine deutsche Bankverbindung mit eigener Kontonummer zum Empfang und zur Tätigung von Überweisungen – ideal für „Schufageschädigte“, denen von der Hausbank gekündigt wurde, denn zur Beantragung der Suprema Card wird keine Schufaprüfung vorgenommen. Lastschrifteinlösungen sind zur Sicherheit des Karteninhabers jedoch nicht möglich.
Weitere Kreditkarten auf Guthabenbasis werden auf nachfolgender Tabelle gezeigt und verglichen: Prepaid Kreditkarten Vergleich.
Cornelia Lohs